Erziehung

Hundeplatz-Erfahrungen

Was hört ein Übungsleiter oder Trainer auf dem Hundeplatz oft:

  • Mein Hund ist grundsätzlich gut erzogen – nur hier macht er es nicht
  • Mein Hund macht hier alles gut – nur daheim / draußen ist er anders
  • Warum läuft der Hund beim Übungsleiter gut, aber nicht bei Herrchen oder Frauchen?

Es gibt viele Sätze, die wir auf dem Hundeplatz hören können und über die wir uns wundern. Aber Hand aufs Herz, wundern wir (an dieser Stelle: wir Übungsleiter, Hundetrainer und sogenannte Profis) wirklich? Nein.

Die Grundsätze der Erziehung (ob Hund oder Kind, das unterscheidet sich kaum) sind einfach, aber in der Umsetzung nicht für jeden leicht: Sei konsequent und Fair.
Ein Beispiel: Darf der Hund auf das Sofa? Nur montags oder am Wochenende oder wenn kein Besuch da ist? Einmal Sofa heißt immer Sofa – alles andere ist nicht fair und nicht konsequent. Der Hund kennt keinen Kalender, er kann nicht lesen! Meinem Kind kann ich am Geburtstag sagen, heute sind die Grenzen weiter – der Hund versteht das nicht.

Zur Konsequenz zählt, dass eine Anweisung oder ein Kommando einmal gegeben wird, anschließend wird es ausgeführt. Wenn es der Hund nicht macht, helfe ich dabei (bitte beachten: keine Gewalt! Helfen, nicht prügeln!) das immer, auch mit ruhigem Nachdruck, Geduld, Konsequenz und mit Ruhe!

Ein Kommando wird ausgeführt, bis das nächste Kommando folgt. Das bedeutet aber auch, es soll eine Auflösung des Kommandos geben, ein Auflöse-Kommando, ein „frei“ „geht“ oder ähnlich. Aber bitte nie ein „OK“, denn dies wird im allgemeinen Sprachgebrauch zu oft genutzt und kann daher vom Hund missverstanden werden, wenn es in einer Unterhaltung fällt und nicht als Kommando gemeint ist. (Treffen an der Straße, ich verabrede mich zum Kaffee oder Bier oder so, sage „ok“ und mein Hund schießt über die Straße vor ein Auto – falsches Kommando!)

Platz - Erziehung von Hunden: perfekte Ablage gepaart mit Aufmeksamkeit

Wie wir unseren Kleinen das Sitz und Platz beibringen zeigt uns jeder Kurs im Hundeverein, den wir bitte ab der Welpenstunde bereits besuchen, denn hier lernt der Welpe das hundespezifische Sozialverhalten, das er sich von uns Menschen nicht abschauen kann. Was wir auf dem Hundeplatz lernen setzen wir in der Zeit bis zur nächsten Stunde im täglichen Gassigang auch um, wir üben immer wieder mal ein paar Minuten und festigen so das Verhalten. Auch erzogene und ausgebildete Hunde werden immer wieder „trainiert“, das heißt bei den Spaziergängen wird unregelmäßig immer wieder mal eine kleine Übungseinheit eingelegt. Dadurch festigt sich Gelerntes und bestätigt den Gehorsam oder, wie der Trainer sagt, die Unterordnung. Das eine oder andere „Kunststück“ darf auch nicht fehlen.

Eine gute Übung ist die Kontrolle über das Aufnehmen von Leckerli: So lege ich gerne ein Leckerli auf die Pfote, das erst nach Blickkontakt und Freigabe vernascht werden darf. Eine weitere Übung mache ich gerne unterwegs: Bei frei laufenden Hunden ändere ich meine Laufrichtung, das heißt ich drehe um und laufe in die andere Richtung, ohne jedoch meine Hunde zu rufen (das mache ich nur dort, wo ich Gefährdung von oder durch Anderen ausschließen kann). Sie schauen nach mir, sehen dass ich die Richtung gewechselt habe und kommen schnell zu mir. Das wird belohnt, gerne auch mit Streicheln oder mit stimmlicher Bestätigung, es muss ja nicht immer Futter oder Leckerli geben!

Meine Erfahrungen als Übungsleiter durfte und darf ich im Hundesportverein Friedrichstal 1958 e.V. sammeln, wofür ich mich bei dem Übungsleiter-Team und dem Vorstand bedanke. Ich freue mich auf jeder Stunde im Team. Danke auch an Katrin Scholz für unvergessliche Seminarstunden voller Wissen und Erfahrung.

Entwicklungsphasen

Welchen Einfluss haben Entwicklungsphasen auf die Erziehung? Wer jemals mit pubertierenden Kindern gemacht hat ahnt die Antwort. Hunde kommen meist mit einem dreiviertel Jahr in die erste Pubertätsphase, mit eineinhalb Jahren in eine zweite. Da ist der Kopf voller Hormone und unser Liebling vergisst schon mal, was bei einem Kommando zu machen ist. Auch hier gilt, Konsequenz gepaart mit Geduld und Ausdauer. Sind die Phasen überstanden, läuft es bestimmt bestens.

2 Comments

  1. Wir üben bei jedem Spaziergang mit Konrad (knapp 6 Monate) und er meistert in der Hundeschule alle Aufgaben korrekt. Leider sieht man genau wer in der Woche nichts tut von den anderen.
    Dafür werden wir und Konrad dann von der Trainerin auch gerne schon mal vorgeführt, wenn er mal was nicht perfekt macht….
    Konrad wird als Streber hingestellt, aber hey wir üben eben auch mit ihm.
    Und ganz ehrlich, wäre die Gebühr für die Junghundegruppe nicht so hoch gewesen, hätten wir schon aufgehört.
    Es gab auch schon Sätze von einem Frauchen… Zum üben muss man ja auch die Zeit haben….. . Sorry aber das versteh ich nicht. Man ist doch mindestens 2x am Tag mit dem Hund unterwegs

    Diana Simons
    1. Hallo Diana, Danke für deinen Beitrag.
      Du machst es richtig, ohne Übung kein Erfolg. Ich sehe es wie Du, jeden Tag gehen wir Gassi, da sind immer ein paar Übungen möglich. Wer keine Zeit hat sollte sich keinen Hund anschaffen. Und wer übt, hat Erfolg (und Erfolgreiche haben Neider).
      Zum „Vorführen“: Ich kann nicht einschätzen, wie das abläuft. Eine andere Sichtweise der Situation: Wenn der Übungsleiter Dir zeigt, was Du (noch) besser machen kannst, ist es Vorteil für Dich und Dein Liebling. Sehe es nicht als Vorführen sondern als Verbesserungsvorschlag. Wer nicht übt kann auch nicht falsch üben – dann auch nicht gezeigt bekommen, was er besser machen sollte.
      Bleibe dabei und Du wirst einen gut erzogenen Freund an Deiner Seite haben.

      admin

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